Unternehmensdemenz ist ein unterschätztes Risiko für die Nachfolge in mittelständischen Unternehmen. Der Verlust von Erfahrungswissen kann die Zukunftsfähigkeit der Firma gefährden. Wie kannst du diesem Risiko begegnen?

Die Unternehmensnachfolge ist ein kritischer Moment für jedes mittelständische Unternehmen. Oftmals wird jedoch ein entscheidender Aspekt übersehen: das Erfahrungswissen, das mit der übergebenden Person geht. Dieses Wissen ist nicht nur eine Ansammlung von Fakten, sondern vielmehr das Gedächtnis des Unternehmens, das über Jahre gewachsen ist und für den Geschäftserfolg entscheidend sein kann.

Warum Unternehmensdemenz ein ernsthaftes Risiko darstellt

Bei der Planung einer Unternehmensnachfolge wird häufig nur auf rechtliche und finanzielle Aspekte geachtet. Doch laut Oliver Diekmann, Co-Founder von wingmaite, ist es gerade das implizite Wissen, das oft in den Köpfen der langjährigen Mitarbeiter steckt, das verloren geht, wenn diese das Unternehmen verlassen. Schätzungsweise 70 Prozent des relevanten Wissens sind nicht dokumentiert und gehen unwiederbringlich verloren, wenn der Schlüsselmitarbeiter das Büro verlässt.

Die Folgen sind oft erst später spürbar: Kundenbeziehungen stagnieren, Investitionsentscheidungen werden falsch getroffen, und Produktionsprozesse laufen nicht mehr wie gewohnt. Ein unvorhergesehener Verlust an Erfahrung kann die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens gefährden und die Nachfolge zu einer echten Herausforderung machen.

„Der Verlust von Erfahrungswissen ist eine stille Katastrophe, die die Zukunft des Unternehmens in Frage stellt.“

Strategien zur Wissenssicherung

Um Unternehmensdemenz vorzubeugen, sollten Geschäftsführer proaktiv handeln. Die Wissenssicherung kann nicht erst beginnen, wenn der Übergabevertrag auf dem Tisch liegt. Der richtige Zeitpunkt ist idealerweise drei bis fünf Jahre vor der geplanten Übergabe. Das Wissen sollte in den Alltag integriert werden, beispielsweise durch regelmäßige Dialoge mit Schlüsselpersonen, in denen relevantes Erfahrungswissen erfasst wird.

Zudem ist es wichtig, ein System zu schaffen, in dem Wissen nicht nur dokumentiert, sondern auch leicht zugänglich für die Nachfolgegeneration ist. Der Kontext, warum Entscheidungen getroffen wurden, muss für die neuen Führungskräfte nachvollziehbar sein. Nur so kann sichergestellt werden, dass das Unternehmen auch nach der Übergabe weiterhin handlungsfähig bleibt.

„Wissen ist der nicht kopierbare Wettbewerbsvorteil, der über den Erfolg der Nachfolge entscheidet.“

Der Schlüssel zum Erfolg

Die Unternehmensnachfolge ist mehr als nur eine finanzielle Transaktion. Sie erfordert ein tiefes Verständnis für die Strukturen und Entscheidungsprozesse im Unternehmen. Wer sich frühzeitig mit dem Thema Wissenssicherung auseinandersetzt, kann nicht nur die Übergabe reibungsloser gestalten, sondern auch die Zukunft des Unternehmens sichern. In Zeiten, in denen der Wettbewerb um Fachkräfte immer härter wird, ist eine gute Personalauswahl entscheidend. Ein gut strukturierter Übergabeprozess kann helfen, das Unternehmen auch in schwierigen Zeiten konkurrenzfähig zu halten.

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Quelle: Markt und Mittelstand